Abenteuer

Yoga in Process

Intuitiv Yoga

Yoga in Process oder auch Intuitiv Yoga ist mein Projekt, den gestalttherapeutischen oder auch humanistisch-therapeutischen Ansatzes und den des integralen Yoga effektiv zu verbinden. Schon zu Beginn der Yogalehrerausbildung, welche aus meiner vorangegangenen Ausbildung in Humanistischer Psychotherapie und Gestalttherapie resultierte, beschäftigte mich die Frage, wie mit all den Prozessen umgehen, wie all die Gestalten, die auftauchen zu bearbeiten wären? Und das war besonders zu Beginn der Yogalehrerausbildung immens! Oftmals liefen meine Tränen der Freude oder auch der Traurigkeit mitten in den Asanas oder ich wurde schier verrückt vor Angst, als sich in einer langen Meditation um mich herum alles auflöste, ich selbst körperlich eingeschlossen und nichts blieb. War ich es doch in den Jahren meiner persönlichen Weiterentwicklung, in denen ich so viel erfahren durfte, so viel heil werden konnte, gewohnt, alles was auftaucht, zu bemerken, zu fühlen, von allen Seiten wahrzunehmen und eben auch zu kommunizieren, in Einzel- oder Gruppenarbeiten aufzudröseln.

 

Um so erstaunlicher, dass sich irgendwann das tiefe Empfinden einstellte, gar nicht alles aussprechen oder bearbeiten zu müssen! Durch die immerwährende Wiederholung der Asanas, des Pranayamas, die Meditationspraxis und auch all der anderen Rituale, des Singens - welches für mich etwas sehr heilendes, befreiendes hat (es ist immer die Seele, die singt! Und jeder kann singen! Es ist nur die Bereitschaft, das Loslassen!) - stellte sich eine grosse Gelassenheit, ein Tiefes Vertrauen ein, ein immerwährendes liebevolles Beobachten meiner Selbst (zumindest zumeist). Es fiel mir sehr viel leichter, die Dinge, die ich nicht ändern konnte zu akzeptieren und die Dinge, die ich ändern konnte, in Angriff zu nehmen. Der Unterschied zwischen Beidem wurde sehr viel klarer und überhaupt bekam mein Leben und damit auch das Leben um mich herum eine noch grössere Leichtigkeit.

Ich begriff, dass diese beiden Ausbildungswege, sich ergänzten, ineinandergriffen und genau so in Kombination, wie ich selbst es erfahren durfte, extrem hilfreich waren und so wahrscheinlich auch für andere Menschen sein könnten.

 

So wie auch Yoga viel mit den Begriffen von Bewußtwerdung (Awareness) und Eigenverantwortung einher geht, tut es auch die Humanstische Psychotherapie und die Gestalt. Es gibt ethische Grundregeln und das Prinzip des wirksamen Feldes und des Synergieeffektes. Die schöpferische Indifferenz, die besagt, dass unsere Vielfalt aus dem Zerfall der Einheit herrührt und die Tendenz zur Selbstregulation besteht und somit alles wieder zur Einheit zurückstrebt. In der Yogaphilosophie geht es wie in der Gestalt auch bspw. um die unterschiedlichen Pole der Wahrnehmung, Schwarz und Weiss, Mögen und Nichtmögen, Raga und Dvesha - wie in der Gestalt liegt die erfahrbare Wahrheit in der Mitte, fern der Pole, eigentlich gibt es gar keine eine Wahrheit, denn es ist immer alles gleichzeitig da. Wir sehen jedoch das, worauf wir unsere Wahrnehmung legen. So warnt uns Yoga vor dem Bewerten und die Gestalt macht die verschiedenen Blickwinkel erfahrbar.

 

Die Ganzheitlichkeit ist in der Gestalt immer Thema; so hebt sich die Gestalt ab vom Hintergrund, taucht aus dem Ganzen auf, will gesehen werden und verschwindet wieder in der Ganzheit, nach der alles immer strebt. Es geht immer um Ganzwerdung, Heilwerdung. Um die Fragen von Sein und Nichtsein, eingebettet in die philosophische Bemühung um Erkenntnis im erfahrbaren, nicht nur im angelesenen Sinne!

 

Das Aufspüren von Fixierungen (im Yoga Anhaftungen genannnt) ist ein weiterer übereinstimmender Wegabschnitt und bleibt es auch immer - geht es doch darum, sich fotwährend zu hinterfragen, weiterzuwachsen und letztendlich die volle Verantwortung für das eigene Denken, Fühlen und Handeln zu übernehmen! Handlung (sei es nun Denken, Fühlen oder Tun) = Karma. Die Ähnlichkeiten über die ich immer wieder stolperte sind auch wirklich zu augenscheinlich.

 

Gestaltarbeit ist experimentell, erlebnisorientiert und erfahrungskonzentriert; gleiches kann ich über Yoga sagen. Ich persönlich finde es schade, dass heute viele Yogaschulen letztendlich nur auf die körperliche Ebene eingehen. Natürlich geschieht auf rein körperlicher Ebene sehr viel und dies wirkt auch auf allen Ebenen, dennoch bleibt vieles unbewußt und Yoga ist einfach so viel mehr. Es ist ein Weg, eine Haltung, so wie auch die Gestalt. Living the Gestalt ist ein geflügelter Ausdruck; so geht es auch hier um Awareness im Alltag, immer im Prozess zu sein. Gestalt und Yoga wollen gelebt werden, Das Leben ist ein Werden und Weichen, ein sich verändernder Prozess, der erfahren und gespielt werden will. Neben all dem philosophischen, psychologischen, berechtigtem Ernst im Yoga und auch der Gestalt, gibt es viel Raum für Spiel, Freude und die Wildheit des Lebens.

 

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